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Vortrag von Zukunftsforscher Lars Thomsen:

Die Welt mit einem digitalen Nervensystem umziehen

Die Welt mit einem digitalen Nervensystem umziehen

Unter dem Titel „Künstliche Intelligenz als Vorstufe für unternehmerische Entscheidungen – sortieren Roboter unsere Handlungsoptionen?“ veranstaltete Vodafone am 15. November eine öffentliche Diskussion.

Teil der Veranstaltung war ein Vortrag zum Thema „Künstliche Intelligenz in der Zukunft“ von Lars Thomsen. Der in Hamburg geborene Trend- und Zukunftsforscher gilt als einer der einflussreichsten Experten für die Zukunft der Energie, Mobilität und Smart Networks. In seinem Vortrag erläutert Thomsen sieben verschiedene „Tipping Points“, die in den nächsten 600 Wochen auf uns zukommen. Zu diesen sogenannten Umschlagspunkten zählen die Bereiche Assistenz durch Künstliche Intelligenz, Robotik, Mobilität, Energiesysteme, Nahrungsmittelproduktion sowie das Bildungs- und Arbeitssystem.

Als ersten Tipping Point nennt Thomsen die Künstliche Intelligenz, die schon bald jeden von uns als persönliche Assistenz im Alltag unterstützen werde. Dieser persönliche Assistent werde für uns Termine abspeichern, Reisen buchen und Informationen nach Bedarf liefern. Systeme wie Alexa seien schon erste Vorläufer, die in einigen Jahren noch weiter ausgebaut werden, uns dauerhaft zuhören und somit viele unserer Probleme mit einfachen Mitteln lösen können. Thomsen stellt einen Vergleich zu seiner persönlichen Humanassistentin Miriam auf, die zu Beginn Ihrer Anstellung in Bezug auf ihre Aufgaben noch „dumm“ war. Nach längerer Einarbeitungszeit konnte sie aber fast 95 Prozent der Aufgaben von Thomsen übernehmen und ihm somit Zeit für andere Dinge ermöglichen.

Mehr Zeit für andere Dinge – das ist auch ein Vorteil, der zukünftig durch Robotik im Haushalt erlangt werde: der zweite Tipping Point. Thomsen stellt sich dabei die Frage, wann ein Roboter auf dem Markt für den Preis eines Kompaktwagens von etwa 20 Tausend Euro erhältlich ist oder sogar, wie der aktuelle Trend, für etwa 199 Euro im Monat zu leasen ist. Wie wäre es wohl, wenn ein Roboter für 199 Euro monatlich für uns die Hausarbeit erledigt? Wenn er das Geschirr spült, die Fenster putzt, Essen kocht? Thomsen geht dabei auch vor allem auf den Wert der Robotik für die Altersvorsorge ein, wobei ein solcher Roboter im Alter womöglich sogar von der Krankenkasse bezahlt werde. Nach Thomsens Berechnungen sind solche Roboter bereits zwischen 2025 und 2027 für den genannten Preis erhältlich.

Als dritten Punkt geht Thomsen auf die starke Veränderung in der Mobilität ein. Er vergleicht elektrische Motorantriebe mit der Entwicklung der Smartphones: Wenn es diesen Umbruch gibt, dann werden in ein paar Jahren so gut wie alle Menschen damit ausgestattet sein. Außerdem geht er von einem Trend Richtung autonome Fahrzeuge aus, welche eine Alternative zum eigenen Fahrzeug oder dem Busverkehr darstellen.

Als nächstes spricht Thomsen mit der Entwicklung eines komplett neuen Energiesystems einen ökonomischen Tipping Point an. „Wir müssen etwas tun!“, ist seine Aufforderung in Bezug auf den Klimawandel. Die Gewinnung von Strom durch regenerative Energien wie der Sonnen- oder Windenergie sei die Zukunft, die wir nutzen müssen. Von einem Top-Down-Energiesystem, das wenige Kraftwerke und viele Verbraucher hat, müssten wir uns einem Energiesystem zuwenden, das durch Speichern und Intelligenz Energie zur Verfügung stellt. Allein durch Sonnenenergie stünde der Erde jeden Tag 12 Tausend Mal mehr Energie zur Verfügung als die Menschheit verbrauche. Wir müssten diese Energie nur zu nutzen wissen.

Damit kommt der Zukunftsforscher zum fünften Tipping Point: Vertical Farming. Zurzeit finde die meiste Nahrungsmittelproduktion auf Feldern statt, der zweiten Dimension. Diese Produktion sei jedoch stark begrenzt und abhängig von Wetter und Jahreszeit. Die Zukunft: Lagerhallen mit 200 Stockwerken, in denen verschiedene Früchte, Gemüsesorten, Kräuter und Getreide angebaut werden. Die Nahrung werde mit solarenergiebetriebenen LEDs beleuchtet und die Produktion verbrauche nur circa sechs Prozent des Wassers im Vergleich zum Feldanbau. Diese Form der Nahrungsmittelproduktion könne 365 Tage im Jahr überall auf der Welt eingesetzt werden und einen deutlich höheren Ertrag liefern.

Auf die letzten beiden Tipping Points geht Thomsen nur verhältnismäßig kurz ein. Es geht um das Bildungs- und das Arbeitssystem. Auch hier werde Technologie und künstliche Intelligenz in der Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Das Arbeitssystem verändere sich zudem in seiner Struktur. Das starre Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer werde sich nach Thomsen zukünftig in eine Wertegemeinschaft verwandeln, der Menschen beitreten können. Werte seien in Unternehmen künftig die wichtigste Waffe im Kampf um Talent. Dieser Kampf entstehe durch den schon jetzt erkennbaren Fachkräftemangel und den geringen Nachwuchs.

All diese zukünftigen Umwandlungen und Umbrüche betreffen uns alle. So beendet Thomsen seinen Vortrag mit der Aussage, dass wir alle Zukunftsforscher und Zukunftsgestalter seien. „Lassen Sie uns Zukunft machen.“