Wie die Blockchain unsere Daten sicherer macht – ihr Einsatz im Bereich Justiz und Sicherheitstechnik

Wie die Blockchain unsere Daten sicherer macht – ihr Einsatz im Bereich Justiz und Sicherheitstechnik

Die Blockchain ist eine Alternative zu den bisher genutzten Banken und Transaktionsmethoden. Sie verändert nicht nur die Art und Weise, wie wir Finanztransaktionen abwickeln. Ihre Nutzungsmöglichkeiten haben auch das Potential, Bereiche wie Justiz und Sicherheitstechnik zu revolutionieren.

In der Blockchain gibt es kein zentrales System, das Daten über Transaktionen, Handel, Quellen und Aktivitäten speichert. Die Informationen werden von Computern, auch Knoten genannt, die den Datensatz der Kette mit sich führen, über die ganze Welt verteilt.

Ein Block besteht aus einigen Daten, dem Hash des Blocks und dem Hash des vorhergehenden Blocks. Der Hash identifiziert den Block, ist einzigartig und vergleichbar mit einem Fingerabdruck. Werden die Daten eines Blocks verändert, ändert sich auch der Hash. Damit werden alle folgenden Blöcke ungültig, weil der Bezug auf den vorigen Hash nicht mehr korrekt ist.

Smart Contracts verändern notarielle Vollmachten und Erbscheine

Bis heute werden notarielle Vollmachten und gerichtliche Erbscheine ausschließlich in Papierform ausgestellt. Verlieren sie ihre Gültigkeit, muss die Papierurkunde zurückerlangt oder notfalls durch eine gerichtlich bewilligte öffentliche Bekanntmachung für kraftlos erklärt werden. Dieser Prozess nimmt nicht selten mehrere Wochen in Anspruch, in denen die Vollmachten und Erbscheine weiterhin im Umlauf sind. „In dieser Zeit besteht eine gewisse Missbrauchsgefahr“, erklärt Prof. Dr. Jens Bormann, Präsident der Bundesnotarkammer. „Zudem werden die Urkunden häufig verloren oder liegen bei wichtigen Terminen nicht vor“, so Bormann weiter.

Genau bei dieser Problematik setzt das deutschlandweit erste Blockchain-Projekt der Justiz an, eine gemeinsame Idee der Bundesnotarkammer und des bayerischen Justizministeriums.

Staatsminister der Justiz in Bayern Georg Eisenreich: „Die Welt von morgen ist digital. Wir wollen die Chancen der Digitalisierung nutzen. Die neuen technologischen Möglichkeiten von Blockchain können in Zukunft bestimmte Verfahren vereinfachen und beschleunigen. So erlauben sie künftig eine rein elektronische Abfrage der Gültigkeit von Legitimationsurkunden."

Mit wissenschaftlicher Unterstützung durch das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (Projektgruppe Wirtschaftsinformatik) haben die Beteiligten in wenigen Monaten einen Prototyp für ein digitales Gültigkeitsregister entwickelt. Wichtige Urkunden können damit auf dem Smartphone gespeichert und in Sekundenschnelle geprüft bzw. bei Bedarf auch gesperrt werden.

„Was in der Papierwelt drei Monate dauert, könnte künftig mit wenigen Klicks erledigt sein. Ein solches Register hilft Verbrauchern und auch unseren Gerichten, Geld und Zeit zu sparen“, so Eisenreich weiter. „Das Register schafft Rechtssicherheit, ob eine elektronische Urkunde weiterhin gültig ist. Neben der Gültigkeit kommt es aber auch auf deren Inhalt an. Für maßgeschneiderte Inhalte bleibt weiterhin die individuelle Beratung durch Notare wichtig. Die Technologie ist hierzu eine gute Ergänzung – wir kombinieren also das Beste aus zwei Welten“, so Bormann zusammenfassend.

Die Bedeutung der Blockchain wird in den nächsten Jahren wachsen

Die Blockchain könnte auch verwendet werden, um Sicherheitslösungen zu verbessern.

Laut Travis Biehn, technischer Stratege bei Synopsys, ist die Blockchain "kein Allheilmittel" für die Sicherheit. Doch die Technologie bietet vielversprechende Möglichkeiten, nicht nur Finanztransaktionen aufzuzeichnen. Auch die Kontrolle der Netzwerkkommunikation sowie von Internet-of-Things-Geräten (IoT) und Lieferketten kann so verbessert werden.

Die zentralen Systeme, die mit Blockchain aufgebaut werden, sind in allen Bereichen der Cybersicherheit anwendbar. Die größere Transparenz dieser Technologie eignet sich sehr gut dazu, eine Reihe komplizierter Cybersecurity-Probleme zu lösen.

Es sind nicht immer Software-Schwachstellen, die zu einem Sicherheitsproblem wie einer Datenverletzung oder einer Netzwerkkompromittierung führen können - auch die Lieferkette kann schuld sein. Kommt menschliches Versagen ins Spiel  oder ein Insider manipuliert Informationen oder Systeme in der Lieferkette, könnte die Blockchain die Probleme lösen, indem sie verdächtige Aktivitäten automatisch weitergibt.

Wenn alle Beteiligten wissen, wer was wann tut, können laxe Sicherheitsvorkehrungen, Fehler und Insider-Bedrohungen aufgespürt und hoffentlich beseitigt werden, bevor ernsthafter Schaden entsteht.

Die Blockchain selbst bietet wenig in Bezug auf die Erkennung von Bedrohungen oder die Verteidigung in der Art von traditionellen Cybersecurity-Lösungen.  Sie bietet jedoch eine Infrastruktur der Transparenz, Ereignisverfolgung und Kryptographie sowie die Chance, die Sicherheitssensorik und den Datenaustausch zu verbessern.

In einem Zeitalter, in dem das Vertrauen in Systeme entscheidend ist, könnten wir sehen, wie die Blockchain in Systeme integriert wird, die sensible Daten und Finanztransaktionen verarbeiten oder IoT- und mobile Geräte steuern. Die Technologie könnte auch eine vertrauenswürdige Infrastruktur für Anbieter bereitstellen, um besser die Kontrolle über Unternehmensnetzwerke zu behalten.

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